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Andachten für die Zeit des Corona-Lockdowns

An den Sonntagen, an denen keine Gottesdienste in der Kirche stattfinden, verschicken wir Andachten zum jeweiligen Tag im Kirchenjahr an Interessierte.
Hier können Sie die Andachten auch online lesen.

 


 

Andacht zum Sonntag Exaudi, 16. Mai

Liebe Andachtsleserin, lieber Andachtsleser,

der 6. Sonntag nach Ostern liegt zwischen den Festen Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Und diese Stellung gibt ihm gewissermaßen sein Gepräge: die Vorbereitung auf das Pfingstfest.

Der für diesen Sonntag vorgeschlagene Predigttext ist ein kleiner Abschnitt aus einem größeren Zusammenhang. Das Kapitel 7 im Johannesevangelium berichtet davon, wie Jesus nach Jerusalem zum Laubhüttenfest geht und dort öffentlich auftritt.

Das Laubhüttenfest ist eines der größten jüdischen Feste. Zum einen hat es eine geschichtliche Bedeutung: Es erinnert daran, dass die Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten durch die Wüste wanderten und dort in Laubhütten wohnten.

Zum anderen ist es ein Erntefest, vergleichbar mit unserem Erntedankfest. Nach der Ernte hatte man am und im Tempel Gott für die Gaben des Jahres gedankt und gleichzeitig damit die Bitte um Gedeihen und Wohlergehen für das kommende Jahr verbunden.

siloahteich2Wichtig zum Verstehen des Predigttextes ist ein gleichbleibender Ritus, eine immer wiederkehrende Handlung, die fest zum Laubhüttenfest gehörte: Es war üblich, dass man Wasser aus dem Siloahteich schöpfte und in feierlicher Prozession zum Tempelplatz brachte, wo man es am Brandopferaltar in eine Schale goss. Das war ein Ritus, in welchem man um Regen für das kommende Jahr bat.

Wasser spielte also am Laubhüttenfest eine entscheidende Rolle. Und trotzdem mag es vorgekommen sein, dass in der Hitze des Tages Menschen mit trockenen Kehlen in der Menge waren, die gerne einen Schluck kühles Wasser getrunken hätten.

Die Menschen auf dem Fest hatten gefeiert und getanzt, sich vergnügt und getrunken, wie bei unseren Volksfesten halt auch, und manche hatten wohl auch mehr getrunken, als wie sie vertragen konnten. Und trotzdem mag es vorgekommen sein, dass Menschen in der Menge waren, deren Durst nach Leben trotz all der Vergnügungen nicht gestillt werden konnten.

In diese Situation hinein spricht der Predigttext:

Aber am letzten, dem höchsten Tag des Festes trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen. Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht. (Joh 7,37-39)

Wenn wir uns diesen Hintergrund vor Augen halten, werden die Sätze des Evangeliums vielleicht deutlicher: Am letzten Tag des siebentägigen Festes ist Jesus – wie schon Tage vorher – auf dem Tempelplatz und gibt dem Wasserritus eine ganz neue Bedeutung: „Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!“

Das ist natürlich bildlich gemeint. Jesus stillt den Durst nach Leben. Wer an Jesus glaubt und sich in seine Nachfolge stellt, der wird ein erfülltes Leben haben, das ist gemeint. Ein Sinn erfülltes Leben, ein Leben in Vertrauen auf Gott und in Gemeinschaft mit anderen Menschen, ein Leben, das befriedigt, weil es nicht bei sich selbst bleibt, sondern aus sich heraus geht zum anderen, zum Mitmenschen, zum Nächsten.

Das Laubhüttenfest dauert 8 Tage, die manche Menschen damals ziemlich ausschweifend zugebracht haben, vielleicht vergleichbar mit dem Oktoberfest oder Karneval. Wer dort einen über den Durst getrunken hatte, konnte vielleicht für ein paar Stunden die Sorgen des Alltags vergessen, mochte in guter Stimmung gewesen sein und die Tage genossen haben. Aber was geblieben ist, war oftmals nur ein Kater.

Wer – um im Bild zu bleiben – von Jesus getrunken hat, dessen Leben hat sich geändert, hat eine neue Richtung bekommen. Dieser Mensch wird selber zur Quelle für andere: „Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“

Ist das nicht eine großartige Verheißung?! Ich armer bemitleidenswerter Mensch, der ich mich manchmal für so klein und unfähig halte, werde so groß und stark, dass andere von mir zehren können?!

Nicht von Rinnsalen von schalem, abgestandenem Wasser ist die Rede – das könnte ich mir ja vielleicht noch zutrauen – die von mir ausgehen, sondern von einem Strom von klarem, frischem, lebendigem Wasser. Es sprudelt aus mir heraus, quillt über. Es reicht nicht nur für mich, sondern für viele andere. Mein Leben soll zur Quelle werden, aus der andere trinken können. Das ist doch wohl eine große Verheißung über unser oft so armseliges Leben.

„Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.“

Es geht also schon eine Woche vor Pfingsten um den Geist Gottes, den Heiligen Geist, den Jesus für die Zeit nach Tod, Auferstehung und Himmelfahrt versprochen hat. Den Geist, der Jesus vertritt, den Tröster, die Kraft, die den Glauben in uns hervorbringt und uns in die Nachfolge ruft.

Ich versuche das Ganze noch einmal mit anderen Worten zu sagen: Wer an Jesu glaubt, wer von ihm als Wasser des Lebens trinkt, der wird in seinem Leben den Geist Jesu erleben. Und dieser Geist befähigt uns, selber zu einer Quelle für andere zu sein. Ein Strom lebendigen Wassers. Was das heißen kann, das möchte ich ausführen, indem ich von dem Bild des Wassers ausgehe. Was vermag Wasser alles?

1. Wasser ist Leben. - Ohne zu essen, können wir es ein paar Wochen aushalten, ohne zu trinken nur wenige Tage. Wasser ist also absolut lebensnotwendig. Und nicht nur für uns Menschen, für die Tiere und Pflanzen genauso.
So kommt uns von Jesus, der uns zu sich ruft, her, was wir unbedingt zum Leben brauchen.
Wenn wir durch den Geist Ströme lebendigen Wasser hervorbringen, könnte das bedeuten:
Da wird Leben von uns ausgehen:

Trauernde hören tröstliche Worte, die sie aufrichten und sie wieder Hoffnung fassen lassen. Sprachlose finden in uns eine oder einen, die/der für sie redet, Schwache eine oder einen, die/der sich für sie stark macht. Alte erfahren Hilfe und Freude - es hat jemand für sie Zeit und hört ihnen zu. Die Jungen spüren uns ab, wie gut wir es mit ihnen meinen. Arme erleben, dass wir teilen können und unser Geben sie nicht beschämt. Kranke werden besucht, Einsame finden in die Gemeinschaft zurück, Depressive wagen ein Lächeln. Und Frieden wird von uns ausgehen, Versöhnung, ausgestreckte Hände.

2. Das Wasser reinigt. – Das wissen wir nicht nur durch unsere Körperhygiene, durchs Wäsche- und Autowaschen. Die Reinigungskraft des Wassers wurde in der Bibel übertragen auf die Taufe: das Taufwasser reinigt uns Sünder von aller Schuld. Diese Reinigung, ich benutze dafür mal das Wort ‚Vergebung’ erfahren wir bei Jesus.
Wenn wir durch den Geist Ströme lebendigen Wasser hervorbringen, könnte das bedeuten:
Bei uns können die Menschen frei werden:

Endlich eine oder einer, der/dem sie ihre Geschichte erzählen können, diese schlimme Sache vor vielen Jahren, von der sie nicht loskommen, die Schuld, die sie quält, die sie in so vielen Nächten den Schlaf gekostet hat ... Endlich reden, bekennen und davon sprechen, dass es einem Leid tut ... Und wir dürfen das Wort sagen, das sie löst: Dir ist vergeben durch Jesus Christus. Endlich ein Schlussstrich. Aufatmen. Neu anfangen. Leben!

3. Wasser hat Kraft. - Auch wenn wir hier vielleicht erst an die zerstörerische Energie des Wassers denken, wir ziehen aus ihm auch gewaltigen Nutzen, wenn es die Turbinen unserer Kraftwerke antreibt, oder wenn wir die Gezeiten des Meeres zur Stromgewinnung bändigen. Solch große Kraft kann uns auch von Jesus zufließen.
Wenn wir durch den Geist Ströme lebendigen Wasser hervorbringen, könnte das bedeuten:
Unsere Kraft wird andere stärken:

Unsere Mitmenschen können sich an uns aufrichten. Weil wir verbunden sind mit Christus, ist seine Kraft in uns. Und sie geht über alle auf, die in unserer Nähe sind: Da entsteht Mut zum Durchhalten in einem schweren Leben, Hoffnung auf einen neuen Morgen, wenn die dunklen Tage zu bestehen sind und Glaube, dass hinter dem Schicksal ein Gott waltet, der es gut mit seinen Menschen meint.
Und alles das wird nicht weniger dadurch, dass wir es an andere weiterreichen. Nein, es vermehrt sich noch und fließt uns von unserem Herrn immer neu zu.

4. Wasser trägt. - Hier kommen uns die Boote auf dem See oder Fluss und die Ozeanriesen auf dem weiten Meer vor Augen. Wunderbar diese Fähigkeit des Wassers sogar viele Tausend Tonnen schwere Schiffe zu tragen. Gewiss: Für die Physik ist das leicht erklärbar und wenig aufregend. Wer aber unbefangen - so wie Kinder das noch können - hinsieht, der muss doch immer wieder staunen. - Genau das finden wir auch bei Jesus: Einen Halt über Tiefe und Abgrund, auch wenn uns Sünde, Tod und Teufel herabziehen wollen, Hände, die uns durchs Leben tragen, dass wir nicht im Bodenlosen versinken.
Wenn wir durch den Geist Ströme lebendigen Wasser hervorbringen, könnte das bedeuten:
Wir können andere tragen, wie wir getragen sind:

Und wir müssen keine Angst haben, dass wir uns übernehmen. Wo wir uns die Lasten der anderen auf die Schulter legen, da trägt der Herr, nach dem wir heißen, immer mit. Und wo wir die anderen auf dem Weg durch Leid und Krankheit stützen, da fasst er mit unter. Wenn wir dann straucheln, gibt er uns Halt. Wenn es uns zu schwer wird, stärkt er unsere Arme. Wenn wir fragen, wie lange noch, dann spricht er uns ein gutes Wort zu. Immer ist er in unserer Nähe. Wo einer des Anderen Last trägt oder den Anderen selbst, da ist er der Dritte: Verlässlich und treu.

Liebe Andachtsleserin, lieber Andachtsleser,
so ist das Wasser, das Jesus uns geben will, wenn er uns zu sich ruft: „Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!“

Wenn wir seinem Ruf folgen, werden wir satt werden an solchem Wasser. Es wird uns erfüllen und wie aus einer ersten überlaufenden Brunnenschale in die zweite fließen. Von uns und aus uns strömt es weiter zu den Menschen in unserer Umgebung und tut an ihnen, was Christus selbst an ihnen tun will - durch uns: Es stillt den Durst, stärkt, belebt, trägt ...

Wir werden also genug lebendiges Wasser haben, um auch seine guten Kräfte in unsere Umgebung, zu den Mitmenschen zu verströmen.

Gott sende uns seinen heiligen Geist, dass er uns erfüllt und durch uns zu den Mitmenschen fließt!

Bleiben Sie gesund und seien Sie behütet.

Ihr Peter Thimm

 

 

Gedankenfetzen zum Sonntag Rogate am 09.05.2021

Beten - Joker für Bedürftige, Betuchte und Sonstige!?

Liebe Leserin, lieber Leser,

ursprünglich sollte und wollte ich am o. g Datum in der Kirche in Bösingfeld sein. Das Wollen gilt noch immer, doch das Sollen sollte nicht sein. Warum? Dreimal dürfen Sie raten.

Nun könnte ich einfach wegbleiben und es mir in Detmold gemütlich machen. Das kann ich zu jeder anderen Zeit immer noch.

Stattdessen habe ich mir überlegt, Ihnen ein paar Zeilen zukommen zu lassen. Vielleicht kommen Sie dann auf andere Gedanken, die Sie ablenken vom derzeitigen Dauerthema.

"Da hilft nur noch Beten", sagen wir, wenn wir uns in eine verfahrene Situation verrannt haben. Sind das lediglich Worthülsen?

Mathe mochte ich noch nie und Mathe konnte auch mit mir nichts anfangen. Wir wurden nie warm miteinander. So beschloss ich kurzerhand, Mathe links liegen zu lassen und vor Mathe-Arbeiten Gott zu bitten, er möge zum Guten wenden, was mir nicht gelingen wollte. Es ging regelmäßig in die Hose.
Meine Oma hat es gut gemeint mit mir und mir beigebracht, so zu beten: "Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm." Wirklich hilfreich war für mich auch das nicht. Gut gemeint ist halt doch nicht gut gemacht. Aber so ist es oft im wahren Leben.

"Not lehrt beten", hat man mir auch immer und immer wieder geweissagt. Im Laufe der Zeit jedoch habe ich erfahren, dass Not nicht nur beten, sondern ebenso fluchen lehrt. Es ist irgendwie vertrackt. Und jetzt noch diese Sätze aus Jesus Sirach. Jesus Sirach 35, 16-22a:

Er hilft dem Armen ohne Ansehen der Person und erhört das Gebet des Unterdrückten. Er verachtet das Flehen der Waisen nicht noch die Witwe, wenn sie ihre Klage erhebt. Laufen ihr nicht die Tränen die Wangen hinunter, und richtet sich ihr Schreien nicht gegen den, der die Tränen fließen lässt? Wer Gott dient, den nimmt er mit Wohlgefallen an, und sein Gebet reicht bis in die Wolken. Das Gebet eines Demütigen dringt durch die Wolken, doch bis es dort ist, bleibt er ohne Trost, und er lässt nicht nach, bis der Höchste sich seiner annimmt und den Gerechten ihr Recht zuspricht und Gericht hält.

"Gott erhört das Gebet des Unterdrückten". Zu finden ist das Gebet also wohl nicht in irgendeiner frommen Ecke. Es will und muss raus aus der frömmelnden Nische. Es darf nicht versteckt werden, damit es anstecken kann. Es gehört in den Alltag und eben nicht nur in den Sonntagsgottesdienst.
"Gott hilft dem Armen ohne Ansehen der Person". Einverstanden! Ohne Wenn und Aber. Es gefällt mir, wenn er es tut. Ich möchte das unbedingt glauben und schließlich muss man ja auch gönnen können. Lebte ich z. Z. freilich in Indien, dann…
Bitte denken Sie diesen Satz zu Ende und füllen dann die Lücke aus.

Vor etwa 14 Monaten suchte uns etwas heim, das wir alle bis dato noch niemals erlebt und erlitten hatten. Ratlosigkeit und Verunsicherung machte sich breit. Die wirtschaftlichen Einbußen hat man staatlicherseits abzufedern versucht. Unser Vizekanzler verkündete damals lauthals, dass der Staat das kann, weil er in den Jahren zuvor verantwortungsvoll und vernünftig gewirtschaftet hat! Ein Narrativ, das nach dem 13. September nachhaltig entsorgt wird, wetten?!

Und wie hat unsere Kirche darauf regiert? Lehrt Krise beten?

Von wegen! Der Kirche des Wortes schienen die Worte auszugehen. "Ich wurde von jetzt auf gleich entgrundrechtet", hatte ich mit in dieser Zeit notiert. Ich war geschockt, hätte so etwas niemals für möglich gehalten. Ich fühlte mich allein auf weiter Flur, alleingelassen. Diese wiederholten Ich-Formulierungen sind ganz bewusst gewählt.

"Liebe deinen Nächsten!" Selbst Menschen, die ansonsten mit dem Glauben und der Kirche nichts am Hut haben, verbinden diesem Satz irgendwie mit Kirche. Und plötzlich musste ich irritiert zur Kenntnis nehmen: Soziale Distanz zu wahren sei wahre Nächstenliebe. Gedankenfetzen eben.

Hier hilft nur noch Beten. Ist das so? Gott erhört das Gebet der Gebeutelten. Vielleicht aber ist Gott gerade allein zuhause und guckt Markus Lanz, weil keine und keiner betet, ihn behelligt.

Beten meint freilich nicht, die Hände zu falten und etwas Auswendig-gelerntes innerlich aufzusagen. Beten ist nicht einfach Nichtstun. Beten ist kein kirchliches Wort für faul sein. Im Geist der Bibel ist Beten eine Art und Weise, sich unters Leben zu mischen, das Leben zu gestalten und es zu unterstützen.
Beten ist nicht Technik, Beten ist eine Haltung. Das ist Ihnen zu abstrakt, zu theoretisch? Ich verstehe. Also werde ich konkreter: Wenn es mir nicht schon mein gesunder Menschenverstand sagt, schickt Gott mich zu all dem Menschen, die Trost brauchen und getröstet werden wollen nicht erst dann, wenn sie bereist getröstet sind. Natürlich mit der gebotenen Rücksicht und Vorsicht - über Selbstverständlichkeiten brauchen wir uns nicht auszutauschen. Und Sterbende zu begleiten, die das gesagt oder ungesagt wollen, ist allemal zielführender als Gestorbene zu besuchen.

Nun habe ich in jüngster Vergangenheit schon mehrfach gehört, dass in Ihrer Gemeinde Ihr Pastor Sie besucht. Trotzdem, trotz allem, dennoch. Chapeau!

Und er tut das unterschiedslos, ohne Ansehen der Person. Bedürftige, Betuchte und Sonstige. Kirche ist immer nur Kirche für andere. Das ist nicht von mir, aber es stimmt. Insofern sind Sie eine Glücksgemeinde, der ich neidlos gratuliere.

Eine Kirche, die in einer Krise nichts zu sagen hat, sollte nach einer Krise den Mund nicht zu weit aufmachen.

Seien Sie gegrüßt- und bleiben Sie behütet.

Harald Blümel

Haben Sie meine Gedankenfetzen angestoßen, dann freut mich das.
Haben Sie meine Gedankenfetzten abgestoßen, dann ohne böse Hintergedanken.
So oder so: Wenn Sie wollen, können Sie sich dazu äußern. Frau Süllwold leitet Ihre Äußerungen gerne an mich weiter.
Man kann ja sonst in dieser Zeit so wenig machen.

 

 

Andacht zum Sonntag Jubilate, 25. April 2021

Liebe Andachtsleserin, lieber Andachtsleser,

der Eingangspsalm 66 gibt diesem Sonntag seinen Namen – und sein Thema: „Jauchzt (Jubilate) Gott, alle Lande! Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich! Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!“

Drei Wochen nach dem Osterfest werden wir an diesem Sonntag daran erinnert, dass auch die Auferstehung von den Toten der schöpferischen Kraft Gottes entspringt. Der für diesen Sonntag vorgeschlagene Predigttext zeigt allerdings auch sehr deutlich, dass sich gerade daran die Geister scheiden. Es ist die Rede/Predigt, die der Apostel Paulus auf seiner 2. Missionsreise in Athen auf dem Areopag hält:

Da stellte sich Paulus vor alle, die auf dem Areopag versammelt waren, und rief: »Athener! Mir ist aufgefallen, dass ihr euren Göttern mit großer Hingabe dient; denn als ich durch eure Stadt ging und mir eure Heiligtümer ansah, da habe ich sogar einen Altar gefunden, auf dem stand: ›Für einen unbekannten Gott.‹

Diesen Gott, den ihr verehrt, ohne ihn zu kennen, möchte ich euch nun bekannt machen. Es ist der Gott, der die Welt und alles, was in ihr ist, geschaffen hat. Dieser Herr des Himmels und der Erde wohnt nicht in Tempeln, die Menschen gebaut haben. Er braucht auch nicht die Hilfe und Unterstützung irgendeines Menschen; schließlich ist er es, der allen das Leben gibt und was zum Leben notwendig ist.

Aus dem einen Menschen, den er geschaffen hat, ließ er die ganze Menschheit hervorgehen, damit sie die Erde bevölkert. Er hat auch bestimmt, wie lange jedes Volk bestehen und in welchen Grenzen es leben soll. Das alles hat er getan, weil er wollte, dass die Men-schen ihn suchen. Sie sollen mit ihm in Berührung kommen und ihn finden können. Und wirklich, er ist jedem von uns ja so nahe! Durch ihn allein leben und handeln wir, ja, ihm verdanken wir alles, was wir sind. So wie es einige eurer Dichter gesagt haben: ›Wir sind seine Kinder.‹

Weil wir nun von Gott abstammen, ist es doch unsinnig zu glauben, dass wir Gott in Statuen aus Gold, Silber oder behauenen Steinen darstellen könnten. Diese sind doch nur Gebilde unserer Kunst und unserer Vorstellungen. Bisher haben die Menschen das nicht erkannt, und Gott hatte Geduld mit ihnen. Aber jetzt befiehlt er allen Menschen auf der ganzen Welt, zu ihm umzukehren. Denn der Tag ist schon festgesetzt, an dem Gott alle Menschen richten wird; ja, er wird ein gerechtes Urteil sprechen, und zwar durch einen Mann, den er selbst dazu bestimmt hat. Er hat ihn darin bestätigt, indem er ihn von den Toten auferweckte.«

Als Paulus von der Auferstehung der Toten sprach, begannen einige zu spotten, andere aber meinten: »Darüber wollen wir später noch mehr von dir hören.« Paulus verließ jetzt die Versammlung. Einige Leute schlossen sich ihm an und fanden zum Glauben. Darunter waren Dionysius, ein Mitglied des Stadtrats, eine Frau, die Damaris hieß, und manche andere.
(Apostelgeschichte 17,22-34 nach der Übertragung ‚Hoffnung für alle‘)

Die Rede des Paulus in Athen ist wohl einer der Höhepunkte in der Apostelgeschichte. Athen war zu der Zeit noch immer die Stadt der schönen Künste und der Weisheit. Noch immer Weltstadt! Die Kunstschätze stehen noch nicht im Museum. Götterbilder füllen Tempel und Straßen. Ihr Kult ist noch in Betrieb.

Paulus gehen die Augen auf und ihn packt der Zorn. „Du sollst dir von Gott kein Bild machen, das du anbetest und dem du dienst“ ist für ihn ein gültiges Gebot. Und überhaupt: Das ist doch Götzendienst, der hier betrieben wird, konzentriertes Heidentum.

Doch Paulus ist nicht als Tourist nach Athen gekommen. Er will das Evangelium von Jesus Christus verkündigen, will Zeugnis geben von dem Glauben, der ihn erfüllt, von der Hoffnung, die ihn antreibt. Aber wie soll er in diesem Athen der Götter und Götzen Christus predigen? Wie kann seine Rede den Vorstellungen weiser und philosophisch geschulter Menschen standhalten?

In einem ihrer Tempel entdeckt Paulus einen Altar: „Für einen unbekannten Gott.“ Weil sie nicht mehr genau wissen, welchem Gott zu trauen ist, fliehen sie ins Allgemeine und denken sich: „Der, den es angeht, wird es schon merken.“

Paulus predigt hier und dort, tritt auf Marktplätzen und Synagogen auf und wird dann zum Areopag geführt, dem altehrwürdigen Platz früherer Gerichtsverhandlungen. Dort soll er exemplarisch und unter den kritischen Augen vieler Gebildeter seinen Glauben darlegen.

AreopagNun also tritt Paulus wie ein griechischer Redner mitten unter seine gespannten Hörer. Ein ganzes Hagelwetter von Gedanken und ‚philosophischen Brocken‘ wird auf sie niederprasseln. Ich greife drei Beobachtungen heraus, die mir wichtig erscheinen.

Zuerst: „Athener! Mir ist aufgefallen, dass ihr euren Göttern mit großer Hingabe dient; denn als ich durch eure Stadt ging und mir eure Heiligtümer ansah, da habe ich sogar einen Altar gefunden, auf dem stand: ›Für einen unbekannten Gott.‹“

Mich erstaunt dieser Beginn. Was den Paulus Tage zuvor zutiefst entsetzt hat, die vielen Götzenbilder in den Straßen und wohl auch in den Köpfen, das bezeichnet er vor der Versammlung auf dem Areopag als „große Hingabe an eure Götter“. Also kein Donnerwetter gegen heidnischen Kult. Stattdessen eher ein werbender Ton!

Man mag Paulus vorwerfen, dass er sich seinem Publikum zu sehr anbiedert. Auf der anderen Seite muss ich Menschen, denen ich Gott nahebringen will, auch nahekommen. Dazu gehört, die biblische Botschaft umzugießen in die Sprache, die gottentfremdete Hörerinnen und Hörer verstehen.

Dabei macht diese Pauluspredigt deutlich: Übersetzung, Umgießung der Christusbotschaft bleibt immer ein zu verantwortendes Wagnis. Paulus hat viel gewagt. In seiner Predigt kommt der Name Jesu nicht vor. Aber er ist da, von der ersten Zeile an.

Die zweite Beobachtung: Wenn Paulus den Athenern den schöpferisch handelnden Gott vorstellt, dann greift er damit auf Vorstellungen zurück, die ihnen nicht unbekannt sein sollten. Ein ordnender Wille, der die Welt als Kosmos geschaffen hat, kunstvoll im Kleinen und Großen – da können selbst philosophisch gebildete Menschen zustimmen.

Und das ist doch heutzutage auch noch so: Wenn es in Glaubensgesprächen auch viel Uneinigkeit geben mag, über die Herrlichkeit und Einzigartigkeit der Schöpfung können alle nur staunen und Gott dafür loben.

Und so kommt der Sonntag Jubilate für uns genau zur rechten Zeit, in der das Leben in der Natur erwacht, die Kirschknospen vor dem Aufbrechen sind, das Grün des Rasens immer satter wird, eine Vielzahl von Kräutern und Frühblühern den Garten und die Wiesen bunt malt. Wann, wenn nicht in dieser Zeit, kann das Schöpferlob lauter klingen?!

Gott ist es, der allem das Leben, die Luft zum Atmen und alles, was wir brauchen, gibt. Wer kann da nicht zustimmen? Und wem tut es nicht gut, vor so einfache Dinge geführt zu werden, vor Luft und Leben, Wasser und Erde, Brot und Wein? Wird da nicht das Verlangen wach, noch mehr zu erfahren von diesem Herrn des Kosmos, von Himmel und Erde?

Die dritte Beobachtung: Während Paulus im ersten Teil seiner Rede auf die Zuhörenden zugeht, sie mitnimmt, ihnen nahekommt, ändert sich nun der Ton: „Weil wir nun von Gott abstammen, ist es doch unsinnig zu glauben, dass wir Gott in Statuen aus Gold, Silber oder behauenen Steinen darstellen könnten. Diese sind doch nur Gebilde unserer Kunst und unserer Vorstellungen.“

Paulus steuert nun zielsicher auf sein Evangelium zu. Nach größter Anknüpfungsbemühung lässt er seine Katze aus dem Sack. Von Buße, Gericht und Gerechtigkeit ist die Rede, von Christus, der auferstanden ist von den Toten. Das ist die Mission des Paulus. Alle vorherge-gangenen Anknüpfungspunkte werden hiermit konfrontiert.

Für die Ohren der Athener ist das fremd. Manche spotten nun über Paulus. Andere haben genug gehört und verlassen die Versammlung. Dabei sind gerade die für die Versammlung unverständlichen Worte das Evangelium, die gute Botschaft von der Liebe Gottes.

Zuvor hatte Paulus gesagt, worin das Ziel der Schöpfung Gottes besteht: „Das alles hat er getan, weil er wollte, dass die Menschen ihn suchen. Sie sollen mit ihm in Berührung kommen und ihn finden können. Und wirklich, er ist jedem von uns ja so nahe!“

Gott ist jeder und jedem von uns nahe – und das dürfen wir nicht kaputtmachen durch Bilder, die wir uns von ihm machen und die uns doch nicht helfen können; durch verfestigte Vorstellungen, die uns den Blick versperren auf den lebendigen Gott, der uns immer wieder neu begegnet und der sich nicht festlegen lässt auf bestimmte Muster.

Gott ist jeder und jedem von uns nahe – und ist uns noch nähergekommen durch Jesus Christus. Gott sieht mich und die Welt im Lichte seines Sohnes. Zu ihm sollen wir umkehren. Er ist der Zielpunkt meines Glaubens. Er wird der sein, der mich beurteilt und richtet. Doch das Wichtigste sagt Paulus zuletzt: Er hat ihn darin bestätigt, denn er hat ihn von den Toten auferweckt.

Das ist nun nicht leicht zu verstehen. Nicht nur auf dem Areopag scheiden sich hier die Geister. Doch für den Apostel bedeutet die Auferstehung Jesu so viel wie eine Beglaubigung Gottes für seinen Sohn. Und sie ist zugleich der Schlussstein im Erkennen Gottes. Da, am dritten Tag in Jerusalem, hat Gott machtvoll gezeigt, wie sehr er die Welt und ihre Menschen liebt.

Den ‚unbekannten Gott‘ wollte Paulus bekannt machen. Dabei hat er die Auferstehung Jesu in der Predigt vor heidnisch -griechischen Ohren nicht verschwiegen. Eigentlich konnte er ahnen, dass nun einige lachen, andere ausweichen.

So war das damals und so ist es auch heute. Die Botschaft von Kreuz und Auferstehung spaltet die Menschen. Einige wenden sich ab, andere finden zum Glauben, wie damals auf dem Areopag Dionysius und Damaris und wohl noch einige andere auch.
Und doch hat Gott gerade diesen Weg gewählt, um sich bekannt zu machen. Und um uns Menschen noch näher zu kommen. Und um uns Hoffnung zu schenken, die vor dem Tod nicht Halt macht.

Bleiben Sie gesund und seien Sie behütet.

Ihr Peter Thimm

 

 

Andacht zum Sonntag Quasimodogeniti, 11. April 2021

Liebe Andachtsleserin, lieber Andachtsleser,

die meisten Menschen denken beim Namen dieses Sonntags wohl an den buckligen Glöckner in dem bekannten Roman von Victor Hugo ‚Der Glöckner von Notre-Dame. Quasimodo heißt er. Aber – und da ist die Beziehung zu diesem Sonntag – er bekam diesen Namen, weil er als kleines Kind von seinem Adoptivvater auf den Treppen von Notre-Dame eben am Sonntag Quasimodogeniti gefunden wurde.

‚Quasimodogeniti‘ = ‚Wie die Neugeboren‘, so heißt der 1. Sonntag nach Ostern. Auch wenn wir es heutzutage nicht mehr so deutlich wahrnehmen: Seit Anbeginn der Kirche ist Ostern der Tauftermin schlechthin. Und die Taufe wird von Anfang an verstanden als ein Neubeginn, als eine Neugeburt. Am Sonntag nach dem Osterfest trafen sich also die getauften Menschen zum Gottesdienst ‚wie die Neugeborenen‘.

Aber nicht nur die frisch Getauften, alle Menschen sollten sich nach Ostern fühlen wie die Neugeborenen, denn das Fest der Auferstehung Jesu von den Toten und der Sieg des Lebens über den Tod und die Hoffnung auf ein ewiges Leben bei Gott sollte uns doch beflügeln, oder?

Aber eine Woche nach Ostern scheint das Fest für viele schon lange vorbei zu sein. Der Alltag mit all seinen Problemen nimmt uns wieder gefangen. Wir starren auf die steigenden Inzidenzwerte, sehen, dass die Politikerinnen und Politiker sich immer noch im Kreise drehen und unser Glaube an den lebensschaffenden Gott und unsere Hoffnung auf ein baldiges Ende der Corona-Pandemie und eine Rückkehr zur Normalität wird schwächer.

Wie bekommen wir wieder Mut? Was kann unseren Glauben stärken und unsere Hoffnung lebendig machen? Vielleicht folgende nachösterliche Geschichte aus dem Johannesevangelium:

Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so: Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten's nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: »Es ist der Herr«, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich in den See. Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen. Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot. Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht. Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt's ihnen, desgleichen auch den Fisch. Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.
(Joh 21,1-14)

Bild untenstehend:
Aus dem Codex Egberti (Evangelienabschrift mit Malereien
aus dem 10. Jahrhundert) zu unserer biblischen Geschichte

Aus dem Codex Egberti (Evangelienabschrift mit Malereien aus dem  10. Jahrhundert) zu unserer biblischen GeschichteIch weiß nicht, ob Ihnen das beim Lesen aufgegangen ist: Das ist nicht einfach nur eine Geschichte mit dem auferstandenen Jesus. Das ist auch eine Geschichte für uns, die wir schon eine Woche nach Ostern allmählich müde werden. Es ist eine Geschichte, in der nicht nur die Jünger Jesu vorkommen, sondern auch wir. Und also hoffentlich auch eine Geschichte, die uns Mut macht.

Ich werde die Geschichte noch einmal Stück für Stück nacherzählen und versuche, uns darin zu entdecken:

1. Der Alltag hat uns wieder
Die Jünger gehen ihrem Fischerberuf nach, als ob nichts geschehen wäre. Von Simon Petrus ist die Rede, dem Anführer, von dem ‚ungläubigen’ Thomas, der dem Auferstandenen erst die Finger in die Wunden legen musste, um an seine Auferstehung zu glauben, von einem Nathanael, den Söhnen des Zebedäus und zwei weiteren Jüngern.

Fischer sind sie, einfache Leute. Mit Jesus waren sie in Jerusalem. Dort war er umgekommen, aber als Auferstandener war er ihnen dort auch erschienen.

Das war schon eine Weile her, und sie sind wieder zurück nach Galiläa, an den See Genezareth, der hier See von Tiberias heißt. Und sie machen das, was sie auch schon machten, bevor Jesus sie in die Nachfolge berufen hatte: fischen. Mal mit mehr Erfolg, mal mit weniger. In unserer Erzählung mit ganz wenig Erfolg: in der ganzen Nacht haben sie nicht einen einzigen Fisch gefangen.

Sie stehen wieder mitten im Leben. Wir erfahren nichts davon, ob sie noch voller österlicher Freude sind. Jedenfalls hat sie nicht dazu geführt, dass sie ihr Leben groß geändert haben. Man spürt ihnen nicht an, dass die österliche Hoffnung, nämlich dass Jesus den Tod überwunden hat und lebendig wirkt, sie und ihr Leben nachhaltig beeinflusst hat. Eigentlich geht alles seinen Gang wie früher – und das heißt: ohne diese Hoffnung, ohne dieses Vertrauen auf Gottes ändernde Kraft.

Sind sie uns dabei nicht ganz nahe? Unserem Leben. Unserem Alltag. Wir mühen uns ab, wir versuchen unser Leben zu meistern, mit mehr oder weniger Erfolg. Manchmal sind wir ganz müde von den Anstrengungen, manchmal sieht es so aus, als könnten wir das alles kaum schaffen.

Und wo ist Gott? Wo ist Jesus? Müsste unser Glaube uns nicht Kraft geben für jeden Tag? Wie oft beugen wir uns dem Tod. Hören, wie es Menschen schlecht geht. Und denken. Ja, das Leben ist ein Jammertal.

Müsste die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod nicht Kraft geben, gegen den Tod aufzustehen? Menschen zu helfen zum Leben? Und wie oft schaffen wir es nicht. Wie oft geht das Leben bei uns weiter, als wenn es Gott nicht gebe, als wenn Jesus im Tode geblieben wäre.

2. Jesus begegnet im Alltag, manchmal unerkannt
Den Jüngern begegnet Jesus, aber er wird von ihnen nicht erkannt. Das kommt uns vielleicht komisch vor, aber wir hören es öfter vom auferstandenen Jesus. Die Jünger, die so oft mit ihm zusammen waren, erkennen ihn nicht. Er wirkt wie ein Fremder.

Aber trotzdem hören sie auf ihn. Auf seinen Ratschlag hin werfen sie ihre Netze noch einmal aus, obwohl die Nacht schon längst vorbei ist und es keine gute Zeit mehr für den Fischfang ist. Und sie fangen so viel, dass die Netze fast reißen.

Und da erst erkennen sie Jesus. Nach diesem wunderbaren Fischfang ahnen sie wohl, dass da eine höhere Macht im Spiel gewesen sein muss. Petrus springt sogar ins Wasser, um an Land zu schwimmen und vor den anderen da zu sein. So begeistert ist er.

Geht es uns nicht auch manchmal so? Wir brauchen außergewöhnliche Ereignisse um zu erkennen, dass Gott bei uns und mit uns war. Eine wunderbare Rettung vielleicht. So, dass man nicht einfach nur sagen kann: Glück gehabt, sondern: Gott sei Dank!

Mitunter erkennen wir es erst im Nachhinein, wie die Jünger auch. Erst nachdem die Netze voll sind, erkennen sie Jesus. So ist das bei uns auch: erst nach einem guten Teil des eigenen Lebens erkennen wir, dass wir im Leben geleitet und geführt worden sind. Dass vielleicht ein paar Umwege und Irrwege da waren, aber dass Gott, dass Jesus mit uns war.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, wann Sie Gott, wann Sie Jesus zum letzten Mal in Ihrem Leben entdeckt haben? Mir persönlich geht es mitunter im Straßenverkehr so, vielleicht, weil ich weiß, wie gefährlich er ist, wie schnell etwas passieren kann und wie wenig ich dabei selbst in der Hand habe. Da denke ich manchmal, wenn ich unaufmerksam gewesen bin: Jetzt hätte auch etwas Schlimmes passieren können, aber Gott sei’s gedankt, es ist nichts passiert.

3. Jesus hilft zum Leben
In außergewöhnlichen Situationen suchen wir Gott und glauben ihn zu erkennen. Wie die Jünger bei ihrem wunderbaren Fischfang. Aber dann stellen sie fest: Er ist nicht nur im Wunder gegenwärtig, sondern im Alltag. Jesus ist am Ufer, und während die Jünger die Boote mit den Fischen an Land bringen, hat Jesus ihnen schon ein Frühstück zubereitet. Im Hintergrund, ganz unauffällig.

Ist das in unserem Leben nicht auch so? Wir müssen aufpassen, dass wir nicht nur Wunder suchen, um den lebendigen Jesus zu erkennen, sondern ihn auch in unserem Alltag sehen. Wo er unser Leben teilt, mit uns ist, für uns da ist und für uns sorgt.

Wer nur auf Wunder schaut, auf außergewöhnliche Ereignisse wartet um darin Gottes Wirken zu sehen, dem entgeht leicht, dass unser ganzes Leben unter Gottes Fürsorge und Jesu Begleitung steht. Und dass ihm auch ganz banale menschliche Dinge wie Hunger und Essen wichtig sind.

„Kommt her und esst!“, sagt Jesus zu den Jüngern. Und damit ist natürlich das stärkende Mahl gemeint, dass er ihnen nach getaner Arbeit zubereitet hat. Aber noch mehr. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“, hat Jesus an anderer Stelle gesagt. Unser Leben ist mehr, als Essen und Trinken. Sehr sehr vielen Menschen fehlt selbst das. Aber viele haben auch alles, leben im Überfluss und haben trotzdem Hunger: nach Anerkennung, nach Sinn für ihr Leben, nach Vertrauen.

Die Jünger Jesu sind geistlich ausgehungert in ihrem Alltag nach Ostern. Jesu Gegenwart stärkt sie. Und so brauchen auch wir seine Gegenwart: in unserem Alltag nach Ostern. Auch wir müssen wissen, dass Jesus für uns da ist. „Kommt her und esst.“
Jesus lässt die Seinen nicht im Stich. Ostern ist vorbei und der Alltag hat uns wieder. Aber Jesus ist lebendig und wirkt unter uns, auch im Alltag.

Bleiben Sie gesund und seien Sie behütet.

Ihr Peter Thimm